Der Sturm

An einem recht windigen Tag saß Winnie Pooh auf seinem Lieblingsplatz und träumte vor sich hin. Um ihn herum wirbelten viele Blätter durch die Luft, aber Winnie Pooh fühlte sich trotzdem richtig wohl. Da tauchte aus einem Erdloch direkt vorihm ein Backenhörnchen auf. "Du solltest hier lieber verschwinden", piepste es ganz aufgeregt, "denn heute gibt es bestimmt noch einen Sturm."

"Da werde ich lieber gleich allen Bescheid sagen", dachte Pooh und marschierte los.

Zuerst kam er zu Ferkels Haus. "Hallo Ferkel!", rief Pooh. "Heute soll es noch sehr stürmisch werden!" Ferkel versuchte gerade mühsam, die Blätter in seinem Vorgarten zusammenzukehren. Das war gar nicht so einfach, denn der Wind blies schon ziemlich kräftig. Plötzlich wurde Ferkel von einem Windstoß gepackt und Pooh konnte ihn gerade noch am Pullover schnappen. Der aber fing an sich aufzutrennen, und so hielt Pooh nur einen langen Wollfaden in seinen Pfoten.

Schon bald flog Ferkel ganz, ganz hoch, aber Pooh hielt tapfer den Wollfaden fest." Heute ist aber in stürmischer Tag", rief Pooh aufgeregt, als er an Känga und Ruh vorbei sauste. "Schau mal, Mama. Ferkel fliegt dort oben wie ein Drachen!", freute sich der kleine Ruh.

Iaa war gerade damit fertig geworden, sich eine Hütte aus vielen Holzpfählen zu bauen. "So, das müßte eigentlich allem standhalten!", murmelte er.

KRACH! BUMM! Pooh rannte mitten in die Pfahlhütte hinein und riß sie dabei völlig um. Iaa seufzte: "Oh je, die Hütte sollte eigentlich allem standhalten! Aber so ist das eben mit Winnie Pooh..."
Rabbit war in seinem Garten und zog gerade die dicken Karotten aus der Erde. " Mein Rücken tut schon so weh", jammerte er. "Es müßte doch eine leichtere Art geben, Karotten zu ernten, als diese." In diesem Augenblick wurde Pooh vom Wind über das Karottenfeld geschleift. Dabei wühlte er mit seinen Füße alle Karotten heraus, und sie flogen direkt in Rabitts Schubkarren. "Das ist vielleicht ein Sturm heute", rief Pooh noch - und schon war er weggeweht. "Wie wäre es, wenn du das nächste Mal meinen Krautacker durchpflügen würdest?", rief Rabbit ihm nach, doch Pooh hörte ihn nicht mehr.

Der Wind blies nun immer stärker. Inzwischen waren Pooh und Ferkel schon ganz in der Nähe von Eules Haus im große alten Baum angelangt. Der starke Wind ließ den Baum mit dem Haus gewaltig hin und her schwanken.

Eule saß gerade gemütlich in ihrem Schaukelstuhl und las ein dickes Buch, als sie von einem dumpfen Schlag aufgeschreckt wurde. Dann sah sie voller Erstaunen, Ferkel vor ihrem Fenster fliegen. "Eigenartig", dachte sie und lief zum Fenster hinüber.

Wirklich! Dort draußen vor ihrem Fenster flog Ferkel durch die Luft.....

Einen Moment später sah sie auch Pooh, der bei Eules Baum angekommen war. "Das ist aber eine Überraschung", rief Eule verwirrt und öffnete das Fenster. Und der Wind wehte die beiden in Eules Stube. Pooh und Ferkel flogen durch das ganze Zimmer, klatschten an die Wand... und landeten dann jeder in einem Stuhl.
"Ich hab den Eindruck, daß es heute ganz schön stürmisch ist", bemerkte die kluge Eule. "Das kann man wohl sagen", japste Pooh "Aber mir macht es viel Spaß!" Eules Haus schwankte jetzt so stark hin und her, daß der Honigtopf auf dem Tisch zu Puuh hinüberrutschte. "Ist da Honig drin?", fragte er. "Ja", antwortete Eule. "Du kannst gern ein wenig davon naschen."

Jetzt war der Honigtopf direkt vor Pooh gerutscht, der streckte voll Freude beide Arme aus und hielt nun den Schleckertopf mit beiden Pfoten fest. Doch gerade als Pooh den Deckel abgenommen hat, schwankte das Haus wieder in die andere Richtung und der Topf rutschte weg. So hatte der arme Pooh nichts als den Deckel in der Pfote.
Und gleich darauf kam der nächste Windstoß.....

.... und der Baum mit Eules schönem Haus donnerte auf die Erde und zerbrach in tausend Stücke.

Pooh landete auf dem Boden, den Honigtopf über seinem Kopf. Obenauf saß ganz verwundert Ferkel. "Pooh, hast du das angestellt?", fragte Eule zitternd. "Aber nein. Das war doch der Wind", antwortete Pooh und schleckte sich dabei den Honig aus seinem Gesicht.
Mein schönes Haus!", schluchzte die Eule. "Wo soll ich denn jetzt wohnen?" Pooh versuchte die traurige Eule ein wenig zu trösten. Da kam gerade Iaa des Weges. "Mach dir nur keine Sorgen, liebe Eule", sagte Iaa. " Ich werde ein schönes, neues Haus für dich finden."

Der Wind hingegen war noch lange nicht müde. Aus dem stürmischen Tag wurde eine noch stürmischere Nacht. Und der Regen peitschte über das Land. Das Waßer im Fluß nahe bei Ferkels Haus stieg und stieg und stieg.

Mitten in der Nacht wurde Ferkel wach. Vielleicht weil er spürte, daß irgend etwas nicht stimmte.Ferkel setzte sich im Bett auf und glaubte zuerst, er würde träumen: Sein Schlafzimmer stand halb unter Waßer, und alle seine Sachen schwammen obenauf. Welch ein Schreck! Schnell sprang Ferkel auf einen Stuhl und schwamm auf ihm durch das Fenster hinaus ins Freie. Er traute seinen Augen kaum! überall war Waßer. Wo sonst Wiesen und Felder lagen, war ein großer See entstanden.

Ferkel paddelte auf seiem Stuhl über das Waßer. Etwas wackelig war die Sache schon, aber er war ja mutig. Ferkel schaute sich nach Hilfe um. Aber vergeblich. "Hallo, hallo! Ist da denn niemand?", rief er in die Nacht hinaus. Doch es kam keine Antwort. Ferkel mußte sich sehr gut festhalten, um nicht ins Waßer zu fallen.

Währenddeßen stieg auch um Poohs Baum das Waßer immer höher. Pooh war davon wach geworden und saß nun draußen auf einem hohen Ast und versuchte, seine Honigtöpfe in Sicherheit zu bringen. Das war eine sehr schwierige Arbeit, und so wollte sich Pooh zwischendurch mit einem Tröpfchen Honig belohnen. Also steckte er seine Nase in einen seiner großen Honigtöpfe. Und weil er nicht genug Honig erwischen konnte, steckte Pooh seinen Kopf noch ein Stück tiefer hinein. Als er dann genug genascht hatte und wieder heraus wollte, ging das nicht. Oh Schreck! Der Topf klebte an seinem Kopf! Pooh purzelte ganz erschreckt von seinem Ast erhunter. Sein Kopf aber steckte immer noch im Honigtopf.

In diesem Augenblick kam Ferkel auf seinem Stuhl angeschwommen und entdeckte den armen Pooh. "Pooh, oh Puuh", quiekte Ferkel. "Was ist denn mit dir?" "Hilf mir heraus, Ferkel", jammerte Pooh. Seine Stimme hörte sich ganz hohl und ängstlich an. Als Ferkel nah genug bei ihm war, zog er fest an Poohs Fuß. Der machte einen Salto rückwärts und landete bei Ferkel auf dem Stuhl. Ha! Geschafft! Und der Honigtopf war auch gerettet......

...gerade noch rechtzeitig bevor sie zu dem großen Waßerfall kamen.
Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen. Christopher Robin war zum Flußufer gekommen, um seine Freunde zu suchen. Er fand Känga und Ruh, Tigger und Rabbit ganz sicher in einem großen Bottich daherschwimmen. Und Eule hatte sich auf einen Baumstamm gerettet. "Aber wo stecken Pooh und Ferkel?", fragte Christopher Robin seine Freunde, nachdem sie alle glücklich das sichere Ufer erreicht hatten. " Wir haben sie nicht gesehen", kam die kleinlaute Antwort.
Doch da kam schon Pooh auf Ferkels Stuhl daher und winkte fröhlich. "Hallo Freunde!". rief er. "Ich freue mich sehr, euch alle gesund und munter wiederzusehen." "Und wir freuen uns, daß auch du das Unwetter heil überlebt hast", rief Christopher Robin ihm zu. "Aber wo ist Ferkel?" "Ich habe ihn in meinen Honigtopf gesetzt, um ihn in Sicherheit zu bringen, als wir den Waßerfall hinunterstürzten", beruhigte ihn Pooh. Und da kam Ferkel im Topf schon angeschwommen. "Hallo, liebe Freunde", rief er. "Oh, Pooh, du bist ein richtiger Held", lobte ihn Christopher Robin. "Du hast Ferkel gerettet. Ich werde zum Dank ein großes Fest für dich geben."
Nun kam auch Iaa durch die Büsche herbei und ging langsam auf die Freunde zu.

"Ich habe gerade ien neues Haus für die Eule gefunden", teilte er seinen Freunden mit. "Das ist ja wunderbar!", freute sich Christopher Robin. "Wo ist es denn?"

"Kommt alle mit mir", antwortet Iaa und ging davon.

Iah führte die Gruppe zu einem Baum mit einer Tür, und allen kam das Haus sehr bekannt vor. "A-a-aber das ist do-doch mein Haus?", flüsterte Ferkel zu Pooh. "Gehört dieses Haus nicht Ferkel?", fragte Känga jetzt Rabbit.

"Aber das wäre doch auch ein schönes, neues Haus für Eule, oder etwa nicht?", meinte Pooh. " Das stimmt schon", sagte Ferkel," und ich bin auch damit einverstanden, daß sie es haben soll..... auch wenn ich nun nicht weiß, wo ich dann wohnen soll." "Aber warum? Ich würde mich riiiiiiesig freuen, wenn du für immer bei mir wohnen würdest, Ferkel", sagte Pooh mit einem fröhlichen Lächeln. "U-und ich würde riiiesig gern für immer bei dir bleiben, Pooh",freute sich Ferkel

Und so war alles geregelt. Jeder war zufrieden. "Ferkel, du bist auch ein Held, weil du Eule dein Haus gegeben hast", lobte ihn Christopher Robin. "Euch beiden großen Helden zu Ehren wollen wir jetzt ein großes Fest feiern!" Und Christopher Robin stellte einen großen Tisch unter einen großen Baum, und alle zusammen feierten das größte und schönste Fest, das sie je erlebt hatten.

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